Wer wettet in Deutschland? Zahlen aus dem Glücksspiel-Survey 2025

Sportwetten Teilnahme Deutschland Statistik und Demografie

Wenn ich auf Branchenveranstaltungen erzähle, dass ich Sportwetten analysiere, bekomme ich zwei Reaktionen: entweder ein wissender Blick – „Ich wette auch“ – oder ein leicht befremdendes Stirnrunzeln. Die Wahrheit liegt in den Zahlen, und die Zahlen zeigen ein differenzierteres Bild als jedes Klischee. 36,4 Prozent der deutschen Bevölkerung haben in den letzten zwölf Monaten an irgendeiner Form von Glücksspiel teilgenommen. Das ist mehr als jeder Dritte – und trotzdem gilt Glücksspiel in vielen sozialen Kreisen als Tabu.

Die Daten des Glücksspiel-Survey 2025, erstellt vom ISD Hamburg und der Universität Bremen, liefern das umfassendste Bild des deutschen Spielverhaltens. Rund 24 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten eine Sportwette platziert – das entspricht mehreren Millionen Menschen. Die ehemalige BZgA-Leiterin Dr. Heidrun Thaiss bezifferte die Zahl der Personen, die jemals in ihrem Leben an Sportwetten teilgenommen haben, auf rund vier Millionen. Diese Zahlen machen Sportwetten zu einem Massenphänomen, das weit über die stereotypen Vorstellungen vom „Zocker“ hinausgeht.

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Inhaltsverzeichnis
  1. 36,4 % Glücksspielquote – und der Sportwetten-Anteil
  2. Alter, Geschlecht und Spielhäufigkeit
  3. Mobile-Trend und Veränderungen im Spielverhalten

36,4 % Glücksspielquote – und der Sportwetten-Anteil

Die 36,4 Prozent Glücksspielquote umfasst alle Formen – Lotterien, Automatenspiele, Casino, Sportwetten. Lotterien dominieren mit Abstand: Lotto 6 aus 49, Eurojackpot und Rubbellose machen den Löwenanteil der Glücksspielteilnahme aus. Sportwetten sind die zweitdynamischste Kategorie – nicht die größte nach absoluten Teilnehmerzahlen, aber die am schnellsten wachsende.

Der Anteil von 24 Prozent, die in den letzten zwölf Monaten eine Sportwette platziert haben, überrascht auf den ersten Blick. Bedenke aber, dass diese Zahl Gelegenheitswetter einschließt – den Kollegen, der einmal im Jahr auf den Champions-League-Sieger tippt, ebenso wie den täglichen Live-Wetter. Die Intensität des Wettverhaltens variiert erheblich. Die Mehrheit der Sportwetter platziert nur wenige Wetten pro Monat und setzt kleine Beträge. Die kleine Gruppe der intensiven Wetter generiert den Großteil des Umsatzes.

Was die Zahlen auch zeigen: Die Teilnahmequote an Sportwetten ist in den letzten Jahren gestiegen – getrieben durch die Digitalisierung, die Mobilisierung und die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz. Die EM 2024 hat diesen Trend verstärkt. Ob er nachhaltig ist oder ob die Teilnahmequote ohne Großereignis wieder sinkt, wird sich 2025 und 2026 zeigen.

Alter, Geschlecht und Spielhäufigkeit

Rund 7,5 Prozent der Befragten im Glücksspiel-Survey 2025 zeigen riskantes Spielverhalten – überdurchschnittlich stark bei Automatenspielen und Live-Wetten. Diese 7,5 Prozent sind nicht gleichmäßig verteilt. Sie konzentrieren sich auf bestimmte demografische Gruppen, und wer diese Gruppen kennt, versteht die Risikostruktur des Marktes besser.

Geschlecht: Sportwetten sind männlich dominiert. Der Anteil männlicher Wetter liegt deutlich über dem weiblicher – je nach Studie bei einem Verhältnis von 3:1 bis 4:1. Das heißt nicht, dass Frauen nicht wetten, aber die Intensität und Häufigkeit ist bei Männern signifikant höher. Dieser Gender-Gap ist in allen europäischen Märkten sichtbar und hat sich in den letzten Jahren kaum verändert.

Alter: Die aktivste Altersgruppe sind Männer zwischen 18 und 35 Jahren. In dieser Gruppe ist die Teilnahmequote am höchsten, die Einsätze sind am größten und – das ist die Kehrseite – der Anteil problematischen Spielverhaltens ebenfalls. Ab 40 sinkt die Wettintensität kontinuierlich. Ältere Altersgruppen bevorzugen traditionelle Glücksspielformen wie Lotterien.

Spielhäufigkeit: Die Mehrheit der Sportwetter platziert ein bis vier Wetten pro Monat. Eine kleinere Gruppe – geschätzt 10 bis 15 Prozent der aktiven Wetter – wettet täglich oder fast täglich. Diese Gruppe macht einen überproportionalen Anteil des Gesamtumsatzes aus und ist gleichzeitig die Gruppe mit dem höchsten Risiko für problematisches Spielverhalten.

Ein Aspekt, der mich als Analyst besonders beschäftigt: Die demografische Verschiebung hin zu jüngeren Wettern korreliert mit der Digitalisierung. Die Generation, die mit Smartphones aufgewachsen ist, hat eine andere Beziehung zu Sportwetten als die Generation der Wettbüro-Besucher. Wetten ist für sie ein digitales Erlebnis – schnell, mobil, integriert in den Sportkonsum. Diese Selbstverständlichkeit ist gleichzeitig Chance und Risiko: Chance, weil sie den legalen Markt stärkt, Risiko, weil die Grenze zwischen Sport-Entertainment und Glücksspiel verschwimmt.

Mobile-Trend und Veränderungen im Spielverhalten

Über 70 Prozent aller Sportwetten werden 2025 mobil abgegeben. Diese Zahl hat sich innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt – und sie wird weiter steigen. Das Smartphone ist das primäre Wettgerät, und diese Verschiebung hat das Spielverhalten grundlegend verändert.

Mobiles Wetten bedeutet: Wetten ist überall möglich – in der Straßenbahn, im Büro, im Bett. Die Zugangsschwelle ist auf null gesunken. Ein Impuls, eine App, ein Klick – die Wette ist platziert. Für die Mehrheit der Wetter ist das kein Problem. Für Spieler mit Impulskontrollproblemen ist die permanente Verfügbarkeit ein Risikofaktor, den keine Regulierung vollständig kompensieren kann.

Ein weiterer Trend: Die Verschiebung von Pre-Match zu Live-Wetten. Immer mehr Wetter platzieren ihre Tipps während des laufenden Spiels. Live-Wetten bieten höhere Stimulation, schnellere Ergebnisse und das Gefühl von Kontrolle – Eigenschaften, die suchtpsychologisch relevant sind. Der Anteil problematischer Spieler bei Livewetten liegt bei 27 Prozent – deutlich höher als bei traditionellen Pre-Match-Wetten.

Was bedeuten diese Trends für dich als Wetter? Bewusstsein. Wenn du weißt, dass mobile Verfügbarkeit und Live-Wetten die riskantesten Faktoren sind, kannst du gegensteuern: Push-Benachrichtigungen deaktivieren, feste Wettzeiten einrichten, Live-Wetten auf ein Minimum beschränken. Die Trends sind nicht gut oder schlecht – sie sind Realitäten, mit denen du bewusst umgehen solltest.

Die Zahlen aus dem Glücksspiel-Survey 2025 liefern keine einfachen Antworten. Sie zeigen einen Markt, der breit genutzt wird, aber für eine Minderheit problematisch ist. Sie zeigen einen Trend zur Mobilisierung und Intensivierung, der sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Und sie zeigen, dass Sportwetten kein Randphänomen sind, sondern ein Bestandteil der deutschen Freizeitkultur – mit allen Verantwortlichkeiten, die das mit sich bringt.

Wer sich für die konkreten Marktzahlen hinter diesen Trends interessiert, findet im Überblick zum Sportwettenmarkt Deutschland die aktuelle Datenlage.

Wie viele Menschen in Deutschland wetten regelmäßig auf Sport?

Rund 24 Prozent der Befragten haben in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Sportwette platziert. Die Gruppe der regelmäßigen Wetter – mindestens wöchentlich – ist deutlich kleiner und wird auf 5 bis 10 Prozent der Gesamtbevölkerung geschätzt.

Welche Altersgruppe wettet am häufigsten?

Männer zwischen 18 und 35 Jahren sind die aktivste Altersgruppe bei Sportwetten – sowohl nach Teilnahmequote als auch nach Wettintensität und Einsatzhöhe. Ab 40 sinkt die Wettaktivität kontinuierlich.

Erstellt von der Redaktion von „Sofort Wetten“.