EM 2024 und der deutsche Wettmarkt – ein Rückblick in Zahlen

Der Sommer 2024 war für den deutschen Sportwettenmarkt, was ein Heimspiel für einen Fußballverein ist: maximale Aufmerksamkeit, maximale Emotionen, maximale Umsätze. Die UEFA Euro 2024, ausgetragen in zehn deutschen Städten, war das erste Großturnier im eigenen Land seit der WM 2006 – und der Effekt auf den Wettmarkt war gewaltig.
Auf die Spiele der EM 2024 wurden in Deutschland Wetteinsätze von bis zu einer Milliarde Euro geschätzt. Zum Vergleich: Die gesamten Wetteinsätze im legalen deutschen Markt lagen 2024 bei 8,2 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass allein das vierwöchige Turnier rund 12 Prozent des Jahresvolumens ausmachte. Ein Turnier, das den Markt in dieser Größenordnung beeinflusst, verdient eine genaue Analyse – nicht nur als Rückblick, sondern als Blaupause für die WM 2026.
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Wetteinsätze, Spieleranzahl und Quotenentwicklung
Die geschätzten Wetteinsätze von bis zu einer Milliarde Euro verteilten sich nicht gleichmäßig über das Turnier. Gruppenspiele der deutschen Mannschaft erzeugten die höchsten Einzelvolumina, gefolgt von den K.o.-Spielen ab dem Viertelfinale. Das Finale generierte erwartungsgemäß das höchste Einzelspielvolumen – unabhängig davon, ob Deutschland beteiligt war.
Die jährlichen Wetteinsätze bei Sportwetten haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt: von 4,52 Milliarden Euro in 2014 auf den Höchststand von 9,4 Milliarden Euro in 2021. Die EM 2024 hat diesen langfristigen Wachstumstrend nicht nur bestätigt, sondern beschleunigt – die 8,2 Milliarden Euro in 2024 lagen deutlich über den 7,72 Milliarden des Vorjahres, als das Volumen sogar um 5,4 Prozent zurückgegangen war.
Was die Quotenentwicklung betrifft: Während des Turniers waren die Quoten auf den Hauptmärkten enger als im regulären Ligabetrieb. Der Grund: Höheres Wettvolumen erhöht die Liquidität des Marktes, was die Buchmacher zu schärferen Quoten zwingt. Für Value-Wetter bedeutete das paradoxerweise weniger Gelegenheiten auf den Hauptmärkten – aber mehr auf den Nebenmärkten, wo das Volumen geringer war und die Quoten weniger effizient.
Besonders auffällig: Die Quoten auf Turnier-Spezialwetten – Torschützenkönig, Anzahl der Tore im Turnier, Gruppe-des-Todes-Wetten – waren in der Frühphase des Turniers oft großzügiger als erwartet. Der Grund: Diese Märkte werden von weniger professionellen Wettern dominiert, was die Quoteneffizienz reduziert. Wer hier eigene Modelle und Analysen einsetzte, fand regelmäßig Value.
Wie das Heimturnier den legalen Markt beeinflusst hat
Der wichtigste Effekt der EM 2024 war nicht der kurzfristige Umsatzschub, sondern die langfristige Kundengewinnung. Großturniere sind das wichtigste Akquise-Instrument der Branche. Menschen, die normalerweise nicht wetten, platzieren während einer EM oder WM ihre erste Sportwette – aus Gruppendynamik, Patriotismus oder schlicht aus Neugier.
Die legalen Wetteinsätze 2024 von 8,2 Milliarden Euro liegen über dem Vorjahreswert – ein Anstieg, der zumindest teilweise auf den EM-Effekt zurückzuführen ist. Die Frage ist: Wie viele der EM-Neukunden bleiben nach dem Turnier aktiv? Erfahrungsgemäß hält sich ein Drittel bis die Hälfte der Turnier-Neukunden langfristig – der Rest kehrt zum normalen Nicht-Wett-Verhalten zurück. Im Jahr 2023 – ohne Großereignis – waren die Wetteinsätze um 5,4 Prozent gefallen. Die EM 2024 hat diesen Trend umgekehrt, aber die Frage bleibt, ob das Wachstum nachhaltig ist oder ob 2025 wieder ein Rückgang folgt.
Für den legalen Markt war die EM ein doppeltes Schwert. Einerseits profitierten lizenzierte Anbieter von der erhöhten Nachfrage. Andererseits warben auch illegale Anbieter aggressiv um die Turnier-Neukunden – mit breiteren Wettangeboten, höheren Quoten und ohne die Einschränkungen des GlüStV. DSWV-Präsident Mathias Dahms hat betont, dass die GGL mit offiziellen Marktzahlen mehr Transparenz geschaffen hat und dass faktenbasierte Debatten über die Sportwette nur möglich seien, wenn verlässliche Daten vorliegen.
Ein Effekt, der selten diskutiert wird: Die EM hat die Diskussion über Sportwettenwerbung neu entfacht. Die Omnipräsenz von Wettanbietern im Umfeld der Übertragungen – rund die Hälfte aller Fußball-Werbespots kommen von Buchmachern – hat politischen Druck erzeugt. Ob die Evaluation 2026 daraus strengere Werberegeln ableitet, bleibt abzuwarten. Für den nächsten Turnier-Zyklus – die WM 2026 – ist die Werbefrage jedenfalls nicht beantwortet.
Lehren für die WM 2026 – was Spieler und Anbieter erwarten können
Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird der nächste große Testfall. Für den deutschen Markt ergeben sich daraus spezifische Herausforderungen – und Chancen.
Die Zeitverschiebung wird das Wettverhalten verändern. Viele Spiele finden am späten Abend oder nachts deutscher Zeit statt. Live-Wetten auf ein Spiel um 23 Uhr haben eine andere Dynamik als um 18 Uhr – die Impulskontrolle sinkt, die Bereitschaft zu riskanten Wetten steigt. Aus Spielerschutzperspektive ist das relevant: Die Einzahlungslimits und Spielpausen-Mechanismen werden ihre Belastbarkeit unter Beweis stellen müssen.
Für die Quoten bedeutet die WM 2026 ein noch breiteres Feld als die EM – 48 statt 24 Mannschaften, mehr Spiele, mehr Märkte, mehr Unbekannte. Bei weniger bekannten Teams sind die Quoten weniger effizient, was Value-Wettern entgegenkommt. Gleichzeitig steigt das Risiko von Fehleinschätzungen – deine eigene Analyse ist bei der Mongolei gegen Honduras weniger zuverlässig als bei Deutschland gegen Frankreich.
Meine Empfehlung für die WM 2026: Beginne jetzt mit der Planung. Setze dir ein festes WM-Budget – unabhängig vom regulären Wettbudget. Informiere dich frühzeitig über die Turnier-Teilnehmer und deren Qualifikationsphase. Und halte dich an die Grundregel: Großturniere erzeugen Euphorie, und Euphorie ist der natürliche Feind rationaler Wettentscheidungen.
Ein letzter Gedanke: Die EM 2024 hat gezeigt, dass der deutsche Wettmarkt Großereignisse verdauen kann – regulatorisch, technisch und wirtschaftlich. Die Infrastruktur steht. Die Frage ist, ob bis zur WM 2026 die regulatorischen Stellschrauben so justiert werden, dass der legale Markt mehr vom Turnier-Boom profitiert als der Schwarzmarkt. Die Evaluation des GlüStV wird die Antwort liefern – oder zumindest die Richtung vorgeben.
Wer die langfristigen Marktdaten einordnen will, findet im Überblick zum Bundesliga-Wettmarkt den Vergleich zwischen Turnier- und Ligabetrieb.
Steigen die Quoten bei Großturnieren wie der EM oder WM?
Auf den Hauptmärkten sind die Quoten bei Großturnieren tendenziell enger, weil das höhere Wettvolumen die Buchmacher zu schärferen Kalkulationen zwingt. Auf Nebenmärkten und bei weniger bekannten Teams können die Quoten großzügiger ausfallen, weil weniger Analysedaten verfügbar sind.
Gibt es spezielle Bonusangebote während der WM 2026?
Erfahrungsgemäß bieten lizenzierte Buchmacher zu Großturnieren verstärkt Bonusaktionen an – erhöhte Freebets, Kombi-Boosts auf Turnierspiele und Cashback-Angebote. Die konkreten Aktionen werden erst kurz vor Turnierbeginn bekannt. Prüfe die Umsatzbedingungen sorgfältig, bevor du einen WM-Bonus aktivierst.
Erstellt von der Redaktion von „Sofort Wetten“.
